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Stadtteil Geislautern • Maria Himmelfahrt


Presseschau:

Beim Kirchbau half auch das Glück

Groß und doch gemütlich: Maria Himmelfahrt in Völklingen-Geislautern

Die Geislauterner wollten nicht irgendeine Kirche haben, sondern eine besonders schöne von einem renommierten Architekten. Maria Himmelfahrt, 1906/07 mit einem recht ungewöhnlichen Grundriss entstanden, schmeichelt dem Auge bis heute. Bemerkenswert hübsch ist der hölzerne Hochaltar von einem Trierer Künstler.

von sz-redakteur

Peter wagner


Geislautern. So riss der Dorflehrer Weiler fest entschlossen "die verantwortungsvolle und folgenschwere Handlung" an sich, Stelle und Lage des Baues auf dem Grundstück zu bestimmen, wie es in Hermann Bauernfeinds Chronik nachzulesen ist. Weiler gehörte zu den Männern, die bereits Jahre zuvor einen Kirchenbau-Sparverein gegründet hatten, um Geld für den Bau zusammenzutragen. Sie sammelten, sie spielten Theater und sie setzten sogar auf Glück in der Klassenlotterie. Nach zwei Jahren hatten sie, dank der ausgeprägten Opferbereitschaft der Bevölkerung, bereits 8350 Mark zusammen, was reichte, um den bekannten Architekten Wilhelm Hector aus St. Johann zu verpflichten. Man gönnte sich also etwas.

Hector plante ein sehr großes, erhabenes Gebäude auf einer Anhöhe in der Nähe des Dorfes. Die Kirche im neogotischen Stil ähnelt auf den ersten Blick manch anderer, die in diesen Jahren nach der Jahrhundertwende im Saarland entstand. Beim näheren Hinsehen überrascht sie allerdings mit ihrer markanten Asymmetrie – der schlanke Turm erhebt sich rechts vom Chor – und dem extrem breiten Querschiff, dessen Opulenz man von außen nicht einmal ahnt. Die breite Eingangsfront ist nur auf der rechten Seite mit einem Türmchen verziert. Alles in allem ist eine gleichermaßen große wie dennoch gemütliche Kirche entstanden. "Hier lässt sich sehr schön Gottesdienst feiern", freut sich Pastor Markus Weilhammer.

Das wohl Bemerkenswerteste, was die Kirche Maria Himmelfahrt zu bieten hat, ist der alte Hochaltar. Er wurde vom Trierer Schnitzer Frank im gotischen Stil geschaffen und zeigt Szenen aus dem Leben Mariens, von der Prophezeiung Isaias bis zur Himmelfahrt.

Da sage noch einer, Lehrer seien für praktische Arbeiten nicht zu gebrauchen. Es trug sich nämlich beim Kirchbau in Geislautern im März 1906 zu, dass ausgerechnet am so wichtigen Tag der ersten Fundamentarbeiten niemand von der Bauleitung erschienen war.

Bilderstürmerei überstanden

Im Gegensatz zur Kanzel und den Seitenältären (Elisabeth und Josef) hat er die so genannte "Bilderstürmerei" nach den Zweiten Vatikanum überstanden. Die Marienfigur, die früher die Spitze des Hochaltars bildete, hat nun an der linken Stirnseite einen selbstständigen Ort gefunden und ersetzt sozusagen einen Seitenaltar. Rechts macht der Besucher Bekanntschaft mit einem nicht so oft in Kirchen anzutreffenden Heiligen, nämlich mit Hubertus. Man erkennt ihn an dem Hirschgeweih mit dem Kreuz zu seinen Füßen. Die Statue wurde 1988 eingeweiht, wirkt aber so, als ob sie schon immer hingehörte. Das ist überhaupt ein kleines Geheimnis von Maria Himmelfahrt Geislautern. Die Gläubigen sind immer bedächtig mit ihrer Kirche umgegangen, haben sie gepflegt wie ihr Wohnzimmer. Deshalb ist sie auch besonders gemütlich. Zu diesem Eindruck hat auch die Ausmalung mit floralen Mustern beigetragen. Die Fenster stammen aus verschiedenen Jahren, passen aber trotzdem schön zueinander. Und woher kommen die Engel im Chorraum? Nun, wie Pastor Weilhammer berichtet, seien sie bei Aufräumarbeiten im Pfarrhaus gefunden worden. Ursprünglich, in der Anfangszeit der Kirche, hatten sie die Kommunionbank geziert. Irgendwann müssen sie dann eingelagert worden sein, um nun wieder prächtige Wirkung zu entfalten.

Liebhaber von ruhigen, besinnlichen Spaziergängen sei empfohlen, die Kirche auf dem Asphaltweg zu umrunden. Man geht durch eine abseits vom Straßenlärm liegende, schön gepflegte Anlage mit Bäumen und Sträuchern.

Auf der Seite "Momente" stellt die Saarbrücker Zeitung Kirchen im Saarland vor.

Auf einen Blick

Maria Himmelfahrt in Geislautern ist werktags verschlossen. Gottesdienste sind am Freitag um neun Uhr und am Samstag um 18 Uhr. Informationen im Pfarrbüro unter Telefon (06898) 78306. Am Sonntag, 9. Oktober, 16.30 Uhr, führen die Kirchenchöre von Geislautern und Wehrden mit dem Sinfonieorchester Kaiserslautern und namhaften Solisten hier die Messa in Gloria von Puccini auf. Eine Woche später ist dieses Konzert auch in Wehrden St. Josef zu Gast. wp

Erschienen: 24.09.2005

Copyright: Saarbrücker Zeitung



© Andreas Hell


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