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Völklingen im Wandel • Die Völklinger Geschichte • 822 - 1600

Vorgeschichte
Völklingen liegt in einem alten Siedlungsstreifen, der schon in römischer Zeit (etwa 50v.Chr. bis 5.Jh.n.Chr.) an den Hängen beiderseits der Saar eine relativ hohe Bevölkerungsdichte aufwies. Das ausgedehnte Waldgebiet, das sich noch heute vom Warndt bis zum Saarkohlenwald erstreckt, war siedlungsfeindlich; erst zu Beginn der Neuzeit entstanden hier Siedlungen in größerer Zahl. Nach der fränkischen Landnahme wurden die ausgedehnten Wälder und das von den galloromanischen Besitzern verlassene Land Eigentum der fränkischen Könige. Ein solches Königsgut lag zu beiden Seiten der mittleren Saar mit dem Warndt, Wadgassen und dem Gebiet des Saarkohlenwaldes. Das Verwaltungszentrum, also der eigentliche Königshof, war Völklingen. Die "Gründung" Völklingens dürfte in die frühfränkische Zeit fallen, da Dörfer mit Endungen auf -ingen, -dorf, oder -heim in die erste Epoche der fränkischen Landnahme verweisen. Namensgeber für Völklingen wurde wohl ein fränkischer Sippenführer Fulko oder Fulkilo.

822:
Eine Urkunde vom 27. Oktober 822, in der der Name Völklingens zum ersten Mal erwähnt wurde, bezeugt einen mehrtägigen Aufenthalt Kaisers Ludwigs des Frommen dort. Daraus lässt sich folgern, dass der Ort zu dieser Zeit eine Infrastruktur besaß, die eine Unterbringung und Verpflegung des Kaisers und seines Gefolges ermöglichte.
Hier eine (leider sehr schlechte) Kopie der Original-Urkunde:



999:
In einer kaiserlichen Urkunde wurde Völklingen zum zweiten mal erwähnt.
Erst in diesem Jahr wurde Saarbrücken erstmals erwähnt. 1123 nannten sich die Grafen vom unteren Saargau zum ersten mal nach ihrer neuen Burg "Grafen von Saarbrücken". Völklingen war eine Zeit lang das Kerngebiet der entstehenden Grafschaft Saarbrücken, musste jedoch seine Vorrangstellung an Saarbrücken, dem Sitz der Grafen abtreten. Immerhin blieb es als Dorf, Hof und Pfarrei einer der bedeutendsten Orte der Grafschaft.
Aus dem ursprünglichen Königshof entwickelte sich der sog. "Völklinger Hof", der historische Vorläufer der späteren Amtsbürgermeisterei Völklingen. Das Zentrum des Hofes, die "freie Hofstatt", befand sich zwischen der heutigen Moltkestraße und der Hofstattstraße, während sich das Dorf unterhalb der Karl-Janssen-Straße zur Saar hin entwickelte. In dieser Hofstatt hatte der Meier seinen Sitz.
Der Völklinger Hof verfügte bis zum Jahr 1518 über eine eigene Hochgerichtsbarkeit mit weitgehenden Machtbefugnissen. Zum Bezirk zählten außer den Dörfern des Hofes der Warndtwald mit den Ortschaften St. Nikolaus, Gensbach, Emmersweiler, Diesen, Überherrn, Linsler- und Überherrner-Hof, Spittel, Diefenthal und Differten sowie bis 1466 die Abtei Wadgassen mit den Dörfern Werbeln, Schaffhausen, Hostenbach und Spurk. Der Galgen für die Todeskandidaten des Völklinger Hofes stand in Völklingen, während die zum Tode verurteilten Bewohner der übrigen Dörfer auf dem Wehrdener Galgenberg hingerichtet wurden.
Die Geschichte der Pfarrei Völklingen dürfte ebenfalls ins frühe Mittelalter zurückreichen. Der Schutzpatron der ersten Pfarrkirche "St.Martin" war der fränkische Nationalheilige, und Kirchen, die seinen Namen trugen, sind in der Regel im 6. oder 7. Jahrh. entstanden. Der erste erwähnte Pfarrer von Völklingen war sein gewisser Godelmann im Jahre 1290. Die Martinskirche stand - in verschiedenen Bauformen - im Kern des alten Dorfes an der Saar.

1150:
Der erste namentlich erwähnte Bewohner Völklingens ist ein gewisser Erlo, der um 1150 als Zeuge genannt wird.
Nach und nach tauchen die Dörfer des Hofgebietes aus dem Dunkel der Geschichte auf:
1234 Wehrden ::: 1280 Geislautern ::: 1333 Fürstenhausen.

1422:
Ältestes Weistum (=schriftlich überliefertes Wissen über Rechtsverhältnisse zw. Grundherren und Untertanen, in unserem Falle also zw. den Grafen von Saarbrücken und den Bewohnern des Völklinger Hofes.) Hier war u.a. auch die Benutzung der Wehrdener Fähre geregelt.
Unserem besonderen Interesse begegnet natürlich die Darstellung der örtlichen Rechtsverhältnisse der Bewohner des Völklinger Hofes, wie sie uns im Weistum von 1422 geschildert werden. Im Bereiche des Völklinger Hofes und zwar in Völklingen selbst gab es neben den Hofstätten der meistens leibeigenen Bewohner auch eine ,,frie hoff Stadt" (= freie Hofstatt), deren Inhaber verpflichtet war, Gefangene hier in sicherem Gewahrsam zu halten und sie am nächsten Tage dem Grafen in Saarbrücken vorzuführen; vermutlich hatte der herrschaftliche Meier, der höchste Beamte im Hofgebiet, diese Hofstatt inne, die in der Umgebung des alten Marktplatzes gelegen haben mag. Und wenn herrschaftlicher Besuch in Völklingen wohnte, dann wohl in dieser freien Hofstatt.


Es dürfte dies auch aus dem folgenden Passus des Jahrgedings von 1422 hervorgehen, der da heißt: "Und geburt myner frauwen der graffynne zu Folckelingen zu lygen, so sollent sie die frösche zweygen, das sie myn frauwe nit wecken!" Die Völklinger Bauern hatten also die Verpflichtung, die Frösche zum Schweigen zu bringen, wenn die Gräfin in Völklingen wohnte.
Die Tatsache, daß man die Verpflichtung der Bauern, für die nächtliche Ruhe der Gräfin zu sorgen, wenn sie in Völklingen wohnte, sogar in das geschriebene örtliche Gesetz aufnahm, läßt den Schluß zu, daß die damalige Landesherrin, die geistig hochstehende Gräfin Elisabeth von Lothringen, öfters hier weilte, wie es uns auch von Burg Bucherbach im Köllertal bekannt ist. Fern vom höfischen Getriebe konnte sie hier in aller Stille ihrer literarischen Lieblingsbeschäftigung nachgehen. Hier wie in Bucherbach mag die Übersetzung von vier französischen Romanen ins Deutsche entstanden sein, die uns von dieser ersten weltlichen Schriftstellerin in Deutschland bekannt sind, die darum auch in der deutschen wie französischen Literaturgeschichte als die Bahnbrecherin der neuen deutschen Prosaromangestaltung gefeiert wird. Diese Saarbrücker Gräfin, eine Tochter des lothringischen Herzogs und Grafen von Vaudemont, fand im Jahre 1456 ihre letzte Ruhestätte in der Stiftskirche in St. Arnual.


1471:
In einer Fehde zw. dem Saarbrücker Grafen Johann IV. und Herzog Ludwig von Zweibrücken wurde das Dorf Völklingen niedergebrannt.

1503:
Völklingen und Umgebung wurden von einer Pestepidemie heimgesucht.

1524:
Es gab 52 Häuser, von denen 14 leer standen. 29 Familien wohnten hier, von denen 17 Huber (Besitzer von Hof- oder Bauerngütern) waren. Außerdem 22 "auswärtige" Familien.

1542:
1 Pfarrer, 1 Bruderschaft, 43 Familien mit 18 Gesinde.

1569/72:
Bauern des Völklinger Hofes weigerten sich dem Saarbrücker Grafen Frondienste für den Bau des Homburger Schlosses zu leisten. Insgesamt 57 Bauern (27 aus Völklingen, 12 aus Wehrden, 10 aus Fürstenhausen, 6 aus Geislautern und 2 aus Knausholz) beteiligten sich an dem Aufstand. Schließlich mussten sie aber doch am 25. Juni 1572 dem Grafen für alle Zukunft Gehorsam schwören.

1575:
Graf Philipp III. führte die Reformation ein, so dass alle seine Untertanen automatisch protestantisch wurden.
Lesen Sie dazu auch in der Chronologschen Geschichte der Martinskirche.

Erste Karte 
von Völklingen und Umgebung


Die älteste Karte von Völklingen aus dem Jahre 1594 (Bild: Hk.V.W.).


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